Graffiti- und Streetartszene München

Eine Empfehlung der anderen Art

von Donat Bailer


Ganz aktuell:

Street-Art-Führung in München: Sonntag, 29. Januar 2023 um 10.00 Uhr an der Donnersberger Brücke

https://smaek.de/veranstaltungen/streetart-fuehrung-in-muenchen/

Anmeldung erforderlich unter: 089-28 92 76 26


Graffiti: Diese wunderbar liberale Art der Kunstform, bei der weder Vorwissen noch Geld eine Rolle spielen, wo alles zwischen einem häuserüberspannenden Mural und einem hingekritzelten Tag dazugehört. Sie hat einen bedeutenden Platz in der Kulturstadt München.

Die Geschichte der Graffiti-Kunst in München lässt sich bis in die 1970er Jahre zurückverfolgen, als die Jugend der Stadt anfing, Graffiti als Mittel zu nutzen, um sich auszudrücken und die etablierte Ordnung herauszufordern. Für manche überraschend lässt sich sogar sagen, dass die Münchener Street-Art-Szene Vorreiter in Deutschland war. Noch vor Berlin. Mit Beginn der 80er Jahre erlebte die Graffiti-Kunst in München einen großen Boom, als sich zahlreiche Graffiti-Künstler zusammentaten und kunstvolle Wandbilder und Stücke in der ganzen Stadt schufen. Anfangs beschränkte sich Graffiti in München hauptsächlich auf einfache Tags und Slogans, doch im Laufe der Zeit entwickelte sich der Stil und wurde immer ausgefeilter, wobei Künstler mit verschiedenen Stilen und Techniken experimentierten. 



“Die besondere Dynamik in Graffiti-Kunstwerken hat mich immer schon fasziniert.”

Mural, Tags, Crossing? Hier eine kleine Einführung in die Szenensprache:

Ein Mural ist ein großflächiges Gemälde, das häufig über ganze Wände gesprayt wird.

Ein Tag ist ein Teil des Gesamtkunstwerks.

Und dann gibt’s noch Crossing, das Übermalen von Werken anderer Künstler. Gar nicht gerne gesehen!

Oder Wholetrain – das Bemalen eines kompletten Zuges – erstmals 1985 bei einer S-Bahn in Geltendorf. Damals besprühten sieben Jugendliche über Nacht eine Münchener S-Bahn von vorn bis hinten. Der Geltendorfer Zug war 1985 der erste Wholetrain in Deutschland.

Graffiti Locations in München

Ob Werksviertel, Gärtnerplatz oder Galerie am Candidplatz: Unzählige Künstler haben sich in München künstlerisch verewigt. 

Viele der Graffiti-Stücke in München werden von talentierten lokalen Künstlern geschaffen, die das Medium nutzen, um ihre Kreativität auszudrücken und Botschaften an die Gemeinschaft zu übermitteln. Zu den beliebtesten Graffiti-Hotspots in München gehören der Gärtnerplatz, die Gmunder Straße und die Isarauen z.B. an der Brudermühlbrücke, wo Besucher eine große Vielfalt an Stilen und Techniken sehen können. Trotz seiner Popularität ist Graffiti in München immer noch ein umstrittenes Thema, und viele Menschen diskutieren über die Grenze zwischen Vandalismus und Kunst. In den letzten Jahren wurde Graffiti-Kunst jedoch zunehmend als legitime Form des künstlerischen Ausdrucks anerkannt, und die Stadt hat begonnen, sie als Teil ihrer kulturellen Identität zu akzeptieren. Heute ist Graffiti-Kunst in München akzeptierter denn je, und die Stadt beherbergt eine lebendige und vielfältige Graffiti-Szene, in der ständig neue Künstler auftauchen.

MUCA – Hotterstraße 12

Auf einem Gelände des ehemaligen Umspannwerks der SWM hat sich das Münchener Museum of Urban and Contemporary Art – MUCA – eingerichtet. Mit dem MUCA ist es gelungen, Street-Art von der Straße ins Museum zu bringen. Es ist das erste deutsche Street-Art-Museum und unbedingt einen Besuch wert.

Die schwarz-weiße Fassade des Museums wurde von dem renommierten Street-Art-Künstler Stohead gestaltet und damit selbst zum Kunstobjekt.

Donat Bailer vor dem Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA)

Landshuter Allee und Heckenstaller Straße

Der Amerikaner Shepard Fairey kommt aus der Skateboard-Szene und zählt zu den wichtigsten Street-Art-Künstlern der Welt. Die Stadt München konnte ihn 2015 dafür gewinnen, mit dem Werk „Paint it black“ am Umspannwerk in der Landshuter Allee 54zur Kultur-Szene beizutragen. Ganz frisch von 2022 ist sein 15 m x 13 m großes Mural am Heckenstaller-Tunnel zur Verantwortung der Ölkonzerne.

Martin-Luther-Straße

Das wohl größte Mural der Stadt ist am Umspannwerk der SWM in Giesing zu finden. Markus Müller alias Won ABC widmete es den Vorkämpfern der bayerischen Räterepublik 1919 (Kurt Eisner, Sarah Lerch-Rabinovitz, Erich Mühsam, Gustav Landauer, Ernst Toller) sowie Robin Page, seinem Professor an der Münchner Kunstakademie.

Gärtnerplatz

Das Mural vom spanischen Künstler Liqen ist in der Corneliusstraße. 

Der Coup mit Blu

Der italienische Weltstar Blu ist bekannt für seinen einzigartigen Stil, in welchem er Elemente des traditionellen Graffitis mit eher abstrakten und surrealistischen Elementen kombiniert. Blu versteht sich als Aktivist, der anonym bleibt. Seine Kunst ist meist politisch motiviert oder an sozialen Themen orientiert. Seine Arbeiten wurden in Galerien und Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt. 

Und München hat jetzt auch ein Blu-Werk. Der Künstler hat auf die Fassade einer Berufsschule das Bild eines riesigen Geldautomaten gemalt, das sechzehn mal acht Meter misst.