Georg Gaigl | Imagination und Wirklichkeit

In Georg Gaigls Kunst durchdringen sich Imagination und Wirklichkeit, Irrationales und Geheimnisvolles. Seine Bildwelten sind Verkörperungen von Rätselhaftem, deren anregende Vieldeutigkeit es zu entdecken gilt, ohne den Arbeiten das Wichtigste – ihr Geheimnis – zu rauben.

Zitat:

"Bilder wahrnehmen ist für mich ein Abgleich mit eigenen Erinnerungen und Sehnsüchten - meist unbewusst stellen wir diesen Zusammenhang her; ein „ansprechendes Bild" lässt uns neugierig werden, auch auf uns selber.“

Die Bilder des Münchner Künstlers Georg Gaigl erwecken diese Neugierde: wir begegnen dort zahlreichen Andeutungen von Orten und Erlebnissen, die in den Arbeiten zunehmend losgelöst von der Abbildung einer erkennbaren Wirklichkeit, durch Fragmente und Strukturen gestaltete Hinweise auf eine unbegreifliche und dennoch vertraute eigene Welt geben.

Während seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste (München) entwickelte Georg Gaigl er seine neuartige künstlerische Arbeitstechnik Décalcage, die es ihm ermöglicht, zwei gegensätzliche Prinzipien auf seine Weise zu vereinen: Die bewusste Komposition und den Zufall. Das digital gestalteten Ausgangsbild erhält durch die Décalcage eine ästhetische Präsenz einer malerischen Qualität. Die manuellen Aspekte der Bildbearbeitung lassen die Décalcage zu einer einzigartigen Bildtechnik werden.
Die am Computer generierten Bilder werden in großformatige Prints übertragen, diese mit der farbtragenden Schicht nach unten auf Holzplatten geklebt. Darauf folgt das tagelange Ablösen des aufgetragenen Papiers bis auf die letze dünne Papierhaut, die die Farben in sich trägt.

Georg Gaigl ist ein Wanderer zwischen zwei künstlerischen Welten, die er in einer beeindruckenden Weise für seine Kunst einsetzt. Da ist auf der einen Seite der klassische Künstler, der das gängige Rüstzeug - die klassische Bildkomposition, eine malerische Farbauffassung und Handarbeit im wahren Sinne des Wortes zur Herstellung seiner Werke einsetzt. Und auf der anderen Seite der moderne Künstler, der ganz zeitgemäß Computer, Plotter und Bild- und Bearbeitungsprogramme für seine Kunst nutzt. Georg Gaigls Kunst entsteht aus einem Zusammenspiel von Gedankenarbeit, der Reflexion unserer Bilderwelt, der Suche nach kommunikativen Zeichen und dem Handwerk der Ausführung. Die Differenz zwischen dem, was er denkt, fühlt, sich vorstellt und den Zeichen, die er dafür findet, kann im Sinne Bazon Brocks als ästhetische Differenz oder Metabolismus bezeichnet werden.

Dr. Karin Dohrmann (Kunsthistorikerin)

Georg Gaigl, 1968 in Erding geboren, lebt und arbeitet in München. Seine Werke wurden in zahlreichen Einzel-und Gruppenausstellungen gezeigt. Zudem arbeitet er seit Jahren mit dem österreichischen Musiker und Schriftsteller Hans Platzgumer zusammen, mit dem er zahlreiche Videoperformances und Musikprojekte in Deutschland und Österreich umsetzte und zeigte.