Simon James | arbeitet er sich mit der Schleifmaschine durch die Farbschichten

Seine Gemälde sind ein Zusammenspiel aus des Künstlers Idee und dem Eigenleben des Materials.

Simon James interessiert das Zusammenspiel von bewussten Setzungen, wie sie im Malprozess erfolgen, und dem verborgenen Eigenleben des Materials, das erst bei der künstlerischen Investigation des Bilds mit der Schleifmaschine freigelegt wird. Malerei und Akzidenz gehören für ihn im Prozess der Bildwerdung untrennbar zusammen, das Bild hält Überraschungen bereit. Im Ergebnis ist sein Werk ein Zusammenspiel aus der Arbeit des Künstlers und dem Eigenleben des Materials.

Simon James liebt Farben: ihre Leuchtkraft, ihre Vielfalt – aber auch ihre Materialität. In Gesso hat er das für ihn ideale Arbeitsmaterial gefunden und greift dabei weit in die Kunstgeschichte zurück: Mit dieser weißen Mischung aus Gips und Leim grundiert man traditionell Holztafeln und Leinwände, um sie für die Ölmalerei vorzubereiten. James kehrt diesen Untergrund der Bilder nach außen und mischt seine Farbpigmente direkt in die Grundiermasse.

In einer gestisch-expressiven Malweise trägt er die ins Gesso eingebrachten Farben auf, verteilt sie in zahlreichen Schichten auf seine großformatigen Leinwände, ein körperlich intensiver Prozess. Doch das eigentliche Werk entsteht erst nachdem er den Pinsel aus der Hand gelegt hat. Nun beginnt James‘ Suche nach dem Innenleben des Bildes. Ähnlich einem Bildhauer arbeitet er sich mit einer Schleifmaschine durch die Farbschichten – von außen zurück ins Innere der Arbeit. James nennt es die Suche nach der inneren Identität des Bildes. Er legt seine Werke in einem fast archäologisch zu nennenden Prozess frei, schürft und schleift er sich durch die Farbschichten, als wären es Erdzeitalter, Erinnerungsspuren, auf den Grund des Bewusstseins gesunkene Lebensspuren. Wo genau die Oberfläche des letztlichen Werks, seine Grenze zur Außenwelt liegt – also das, was uns als Betrachtern gegenübertritt – wird erst in diesem mit äußerster Präzision ausgeführten Prozess festgelegt.

James´ Prozess der Bildfindung ist verwandt mit seinem Interesse an Grenzen, die er im Zusammentreffen verschiedener Materialien und Formen untersucht. Die Thematik der Grenzen durchzieht seine abstrakten Arbeiten, ob es sich nun um monochrom gestaltete Farbflächen, sich rhythmisch über eine Ebene verteilende Elemente oder um Landschaftskompositionen handelt, in denen er detailgenau ausgearbeitete Zonen des Übergangs entwickelt.

Als Autodidakt, der den Besuch einer Kunstakademie für sich ausgeschlossen hat, möchte sich James keiner Kunstströmung zuordnen lassen. Mögen Vergleiche zur gestischen Malerei des abstrakten Expressionismus nahe liegen, so hegt James selbst die größte Bewunderung für Claude Monet, mit dem ihn die Liebe zur Farbe und das Flirren seiner Oberflächen verbindet – auch wenn James im Gegensatz zu Monet nie im Freien malen würde. Er malt und schleift am liebsten im Atelier, ganz für sich und in enger Interaktion mit seinem Werk.