Nada Jordan | Zeichnung am Raum

Vor Ort für einen Ort entstehen Wandzeichnungen aus geklebten Linien, die durch ihre unterschiedliche Farben und Helligkeiten den Eindruck räumlicher Gebilde und plastischer Formen entstehen lassen.

Hohe Häuser, Türme, Kuben staffeln sich hintereinander und gewinnen an Höhe. Der Blick wandert nach oben, dem Betrachter wird stets die Position des Aufschauenden zugedacht. Die Imagination einer Großstadtsilhouette wird möglich, die weiße Wand wird zum weiten Himmel.

Die Künstlerin Nada Jordan setzt sich mit dem jeweiligen Ort auseinander und bespielt ihn mit den farbigen Linien. Die Farben der Bänder werden den Gegebenheiten der Fensterrahmen oder der Wände angepasst, die Spiegelung der Scheiben bezieht immer den Ort mit ein.
So wurden zum Beispiel in Wasserburg Teile der Scheiben der Galerie mit farbigen Flächen und Linien so bearbeitet, dass Formen entstanden, die an dicht gedrängte Häuser und enge Straßenschluchten erinnerten. Tatsächlich waren die konkreten Umrissformen des umliegenden Straßenverlaufs Vorlage für das abstrahierte Bild.
Neben dem formalen Bezug zu der umgebenden Architektur, gibt es bei den Arbeiten auf Glas die je nach Tageslicht und Beleuchtung wechselnde Überlagerung mit den Spiegelungen von Außen- und Innenraum.

So reduziert die Formen der Wandbilder auch sind, so lässt sich doch das Auge des Betrachters täuschen: Im Kloster Raitenhaslach hat Nada Jordan in Anlehnung an die barocke Scheinarchitektur eine große Treppe auf die Wand geklebt. Einige Besucher erzählten, dass sie einen kurzen Moment glaubten, dort seien tatsächlich Stufen, über die sie in das obere Stockwerk gelangen könnten.

Auch in den Zeichnungen auf Papier klingt immer wieder das Thema Architektur an. Das Haus als Umgebung und Schutzhülle der Menschen, als Herausforderung und Hybris, als Sinnbild dafür, hoch hinaus zu wollen, immer höher, und am liebsten bis an den (babylonischen) Himmel zu kratzen.