Helmut Geier

Helmut Geier: Neue Arbeiten

Im Sog des Verschwindens

Wie Traum- und Trugbilder erscheinen Gesichter und Personen, die auf Leinwand und Papier zwischen Präsenz und Flüchtigkeit changieren. Zeichnung und Malerei gehen auf diesen Bildern eine Verbindung ein.

Der Maler treibt ein Spiel mit uns. Er lässt Motive auftauchen und überlässt sie gleichzeitig einem Sog des Verschwindens, indem er sie von den Rändern her übermalt, verwischt, einspinnt und einhüllt in transparente Farbwolken.
Geier zitiert Bilderinnerungen aus der Kunstgeschichte. Vage „Vorbilder“, die wir wiederzuerkennen glauben, aber nicht richtig einordnen können. Das Mädchen mit Kopftuch: Ist es uns nicht bei einem flämischen Meister schon begegnet? Die engelhafte Mädchenfigur – aus welchem Bild ist sie durch Raum und Zeit geschwebt bis auf diese luftige Leinwand mit den gelben Farbfeldern aus dem Jahre 2009? Gibt es Seelenwanderungen im Reich der Malerei?
Zwei mit Kopierstift gezeichnete Landschaften erinnern uns an niederländische Meister.
Geier bedient sich im Bilderschatz, wobei er diese „Echobilder“ verwandelt, verwendet, seiner Kunst einverleibt, sie eintaucht in seine Malerei. Auch ein Foto seiner Frau oder ein Zufallsfund kann als Vorlage dienen.
Geiers Handschrift sind dezente Farben, grün, gelb, bräunliche Töne, die er sehr verdünnt, gelegentlich fast durchsichtig auf die Leinwand bringt, wobei die Bewegungsspur des Pinsels wunderbar sichtbar bleibt. Wirbel, Kreise, Ineinanderverschwimmen prägen die Struktur dieser niemals gesättigten, nie „versiegelten“, sonder immer durchlässigen, zarten Farbigkeit.
Das Konkrete auf seinen Bildern, die mit sparsamen Linien oft nur in Umrissen angedeuteten Gesichter und Körperfragmente – das scheint wie ein Lockruf an den Betrachter, sich dem Bild zuzuwenden. Doch Helmut Geier will ihn dann eigentlich in die Welt dahinter, in sein nuanciertes Reich der Malerei hineinziehen. Und so sind seine Bilder immer beides: gegenständlich und ungegenständlich, wiedererkennbar und fremd.

Michael Schreiner (Augsburger Allgemeine 2009)

 

Die neuen Arbeiten

Helmut Geier

In den jüngsten Arbeiten Helmut Geiers bestimmen Motive aus der Botanik das Bildgeschehen. Mal drängen sie sich in zeichnerischer Form durch transparente Farbknäuel, mal stehen sie silhouettenhaft auf einfarbig bewegten Grund.
Abbildungen alter Herbarbelege oder eigens dafür gepresste pflanzliche Fragmente bilden die Grundlage dieser neuen Bilder.
In der Rauminstallation „Going Up...“ beherrscht ein solches Motiv eine gläserne Trennwand.
Detaillierte Fotografien von Gräsern und Blumen nehmen in der Arbeit Helmut Geiers zunehmend einen wissenschaftlich anmutenden Stellenwert ein.

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